

Das ist Dr. Paul Hartmann (49). Er ist zufrieden mit seinem Leben. Seine Arztpraxis lässt ihm in der Woche nicht viel Zeit für Freizeit, wenn er Urlaub macht, dann aber richtig. Seine Sorge gilt der Zukunftsfähigkeit europäischer Krankenversicherungssysteme.
Dr. Hartmann fürchtet um die Zukunft bezahlbarer medizinischer Versorgung in Deutschland
Dr. Hartmann (49): Dr. Paul Hartmann ist stolzer Besitzer einer eigenen Facharztpraxis. Als gemachter Mann hilft er täglich vielen Patienten gegen ihre Beschwerden. Paul unterscheidet im Arbeitsleben bewusst nicht zwischen Kassen- und Privatpatienten. Er tut das nicht aus Sendungsbewusstsein, sondern aufgrund seines liberal-freiheitlichen Weltbildes: Jeder Patient, der für seine Behandlung bezahlt, verdient die gleiche Aufmerksamkeit. Die für ihn unterschiedlich ausfallende Vergütung führt er auf den staatlichen Leviathan und nicht auf seine Patienten zurück. Paul verdient dennoch gutes Geld und der mehrfache Urlaub im Jahr mit seiner Frau in Indien, die Vereinigten Staaten oder in Costa Rica ist ihm sicher. Als er eines Abends die Nachrichten sieht und die Reporterin aus Brüssel berichtet, dass eine EU-weite Sozial- und Krankenversicherung im Gespräch ist, traut Paul seinen Ohren nicht. Er hält die Aussagen für einen schlechten Witz, denn er weiß sehr genau wie viel Abgaben seine Kassen-Patienten bereits jetzt bezahlen und wie wenig anreizkompatibel das Versicherungssystem Deutschlands ist. Wiederholte misslungene Reformversuche haben ihn an der deutschen politischen Elite zweifeln lassen. Eine Recherche auf seinem Smartphone verheißt nichts Gutes: die Vergemeinschaftung soll die Staaten der südlichen Eurozone finanziell entlasten. Paul lehnt das Argument der „Solidarität“ als scheinheilig ab und fürchtet, dass in der südlichen Eurozone Gelder noch ineffizienter ausgegeben werden und die Abgabenlast für seine Patienten zunehmen wird.
Die EZB würde problematisch handeln, wenn sie auf die Interessen einzelner Länder einginge. Das wäre, wie wenn die Bundesbank früher auf die Situation einzelner Bundesländer geschaut hätte.
Hans Tietmeyer
Undoing the euro will be costly, though less costly than its alternative, which is protracted stagnation of the European and hence the world economy, and the growing risk of a major financial collapse,
Prof. Alberto Bagnai
Der Euro hat sich in doppelter Hinsicht als Enteignungsinstrument erwiesen: Zum einen erleiden die Sparer durch die finanzielle Repressionspolitik der EZB Vermögensverluste, da die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen. Zum anderen drucken Defizitländer wie Griechenland und Italien derzeit faktisch Geld, mit dem sie dann in den Überschussländern wie Deutschland einkaufen.
Dr. Ulrich van Suntum
The ECB talks a lot about structural reforms. It has issued research papers about the effects of structural reforms in the medium to longer term – this has no effect. Policy is not in line with communication. As long as the ECB gives this signal in its operations to the governments that ‚we are the backstop‘ and ‚we will prevent country ‚a‘ or country ‚b‘ from becoming insolvent‘, there will be no structural reforms.
Jürgen Stark
The single currency means overvaluation in some member countries, mostly in Southern Europe, and undervaluation in others, notably Germany. The result is economic stress, political discord, and distortion of trans-European institutions and policies.
Peter Oppenheimer



Pauls Wohnzimmer

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Pauls letzter Urlaub

Pauls Feierabend

EU (2006 – 2015 früheres Gebiet der BRD)
Vorteile des Euros für Paul
Freizügigkeit und Flexibilität
Der Euro erleichtert die Freizügigkeit innerhalb der Währungsunion, da bei Grenzübertritten zumeist kein Geld mehr getauscht werden muss. Das macht die Geschäftsreise entspannter und den Urlaub erholsamer.
Niedrige Zinsen / Günstige Kredite
Die expansive Geldpolitik der EZB sorgt im gesamten Währungsgebiet für niedrige Zinsen. Dadurch sinken die monatlichen Belastungen für viele Hauskäufer. Doch Vorsicht: es besteht eine ernsthafte Gefahr sich finanziell zu überheben. Darüber hinaus sind vergangene Immobilienblasen in Spanien und Irland ebenfalls durch zu niedrige Zinsen entstanden.
Nachteile des Euros für Paul
Sinkende Kaufkraft
Die Kaufkraft der Bürger hat durch den Euro nachgelassen. Verantwortlich ist dafür die ausgebliebene Aufwertung der Währung. Dieser Effekt trifft zwar jeden Deutschen, allerdings in Abhängigkeit des Einkommensniveaus in unterschiedlicher Stärke. Grund hierfür sind steigende Importpreise. Für Menschen mit geringem Einkommen ist der Anteil an importiertem Benzin und Elektronikprodukten größer.
Kapitalentwertung
Viele konservative Kapitalanlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten erwirtschaften aufgrund der Niedrigzinsen negative Renditen. Das führt zu Vermögensverlusten insbesondere bei geringeren Einkommen. Höhere Einkommen sind häufig über Aktienmärkte und Immobilien besser diversifiziert.
Stabilitätsrisiken
Die drohende Pleite Griechenlands, die wirtschaftliche Stagnation Italiens und die dramatischen Arbeitslosenzahlen aus Portugal und Spanien wirken sich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Lage in Deutschland aus. Zwar hat sich die deutsche Wirtschaft mittlerweile von der Eurozone weg nach Asien umorientiert, doch haben akute Krisen meist grenzüberschreitenden Charakter.
Keine Zinsen auf Kapital
geringere Verzinsung des Vermögens
Was machen die Parteien für Paul?
CDU(Christlich Demokratische Union Deutschlands)
EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
CDU/CSU (EVP Fraktion)
Die CDU lehnt eine europäische Sozialversicherung ab, um Reformunfähigkeit nicht zu europäisieren. Paul fragt sich, ob diese Ablehnung ähnlich beständig ist wenn Frankreich an die „Deutsch-Französische Freundschaft und Friedensverpflichtung“ erinnert.
SPD(Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
SPD (S&D Fraktion)
Grundsätzlich sieht die SPD Eine Ausweitung der EU-Kompetenzen auf den Bereich der Sozialversicherungen als einen „Schritt in die richtige Richtung“.
FDP(Freie Demokratische Partei)
alde-Fraktion im Europäischen Parlament
FDP (alde-Fraktion)
Ein führender Politiker der FDP sprach sich 2016 noch für eine europäische Arbeitslosenversicherung aus. Mit Liberalität hat das nach Pauls Auffassung nichts zu tun.
Die Grünen(Bündnis 90/Die Grünen)
Grüne/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament
Die Grünen (Grüne/EFA-Fraktion)
Das Europaprogramm der Grünen fordert eine Mindesteinkommensrichtlinie, die individuelle staatliche Grundsicherungsleistungen in den Mitgliedstaaten regeln soll. Paul glaubt eine leistungsorientierte Gesellschaft führt langfristig zu mehr Wohlstand.
Die Linke.
GUE-NGL-Fraktion im Europäischen Parlament
Die Linke. (GUE-NGL)
Einkommen oberhalb von 70.000 Euro sollen mit 53 Prozent versteuert werden. Darüber hinaus soll ein einheitliches soziales Sicherungssystem ohne Option der privaten Krankenversicherung die Versorgung sicherstellen.
LKR(Liberal-Konservative Reformer)
Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR)
LKR (ECR-Fraktion)
Die LKR will wirtschaftlich schwächeren Ländern den Austritt aus der Währungsunion erleichtern und nach einem Austritt Schulden erlassen. Mit ihren neuen Währungen wären sie dann selbst für ihre Sozialstaaten verantwortlich.

