
Peter und Petra (47 / 49)

Im Leben von Peter und Petra ging es stets aufwärts. Mit Ende vierzig machen sie sich Gedanken um Ihre Rente und die Frage, ob sie im Alter ihren Lebensstandard werden halten können.
Mitten im Leben
Peter und Petra leben in einer Eigentumswohnung mit ihren zwei Kindern. Während die Kinder erwachsen werden und sich langsam nach einer eigenen Bleibe umschauen wollen, sind die Eltern froh, dass sie ihre Kinder finanziell unterstützen können. Auf dem Konto ist ein geringfügiges Vermögen vorhanden und Peter und Petra haben stets in die Rentenkasse eingezahlt, um im hohen Alter finanziell unabhängig zu bleiben.
Als die Kinder ausziehen, sind die Eltern 47 und 49 und sehen ihrer Zukunft in Hinblick auf ihre finanzielle Lage mit Optimismus entgegen. Kurz vor der Rente ist die Wohnung abbezahlt, das Ehepaar unternimmt Reisen und geht mit Freunden oder Familie aus. Die Billiggeldpolitik und der sinkende Wechselkurs des Euro, wirken sich negativ auf die reale Kaufkraft, insbesondere im Ausland aus (nicht auf das angesparte nominale Vermögen). Besondere Angst macht ihnen die Bundesregierung, die sich dem Erhalt der Währungsunion verpflichtet sieht und weitgehenden Transfers innerhalb der Eurozone zustimmen könnte. Dadurch würde sich das Loch in der Rentenkasse erhöhen. Müssen Peter und Petra vielleicht im Rentenalter noch arbeiten?
Der Euro hat sich in doppelter Hinsicht als Enteignungsinstrument erwiesen: Zum einen erleiden die Sparer durch die finanzielle Repressionspolitik der EZB Vermögensverluste, da die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen. Zum anderen drucken Defizitländer wie Griechenland und Italien derzeit faktisch Geld, mit dem sie dann in den Überschussländern wie Deutschland einkaufen.
Professor Dr. Ulrich van Suntum
Wenn die Anleihekäufe der EZB geldpolitisch motiviert wären, würde die EZB ein repräsentatives Portfolio aller Staatsanleihen der Mitgliedstaaten oder auch privater Anleihen kaufen. Das tut sie aber nicht. Sie kauft nur Anleihen überschuldeter Mitgliedstaaten. Das ist monetäre Staatsfinanzierung.
Geldpolitik-Professor Roland Vaubel
The single currency means overvaluation in some member countries, mostly in Southern Europe, and undervaluation in others, notably Germany. The result is economic stress, political discord, and distortion of trans-European institutions and policies.
Peter Oppenheimer
Die EZB möchte Deutschland inflationieren, um Südeuropa wieder wettbewerbsfähig zu machen. Das würde aber zu Lasten der Sparer gehen, deren Spargelder entwertet werden.
Prof. Hans-Werner Sinn
Der Euro steht derzeit bei etwa 1,07 Dollar, während die OECD-Kaufkraftparität bei 1,29 Dollar liegt. Das impliziert eine Unterbewertung des Euro um 17 Prozent.
Prof. Hans-Werner Sinn
Die Lage ist völlig verkorkst: Der Griechenland-Zug ist vor zwei Jahren abgefahren. Wir werden ewig für Griechenland zahlen!
Thomas Mayer, Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank

Petras und Peters Wohnzimmer

Petras und Peters letzter Urlaub

Petras und Peters Feierabend

Vorteile des Euros für Peter und Petra
Freizügigkeit und Flexibilitä
Der Euro erleichtert die Freizügigkeit innerhalb der Währungsunion, da bei Grenzübertritten zumeist kein Geld mehr getauscht werden muss. Das macht die Geschäftsreise entspannter und den Urlaub erholsamer.
Niedrige Zinsen / Günstige Kredite
Die expansive Geldpolitik der EZB sorgt im gesamten Währungsgebiet für niedrige Zinsen. Dadurch sinken die monatlichen Belastungen für viele Hauskäufer. Doch Vorsicht: es besteht eine ernsthafte Gefahr sich finanziell zu überheben. Darüber hinaus sind vergangene Immobilienblasen in Spanien und Irland ebenfalls durch zu niedrige Zinsen entstanden.
Nachteile des Euros für Peter und Petra
Sinkende Kaufkraft
Die Kaufkraft der Bürger hat durch den Euro nachgelassen. Verantwortlich ist dafür die ausgebliebene Aufwertung der Währung. Dieser Effekt trifft zwar jeden Deutschen, allerdings in Abhängigkeit des Einkommensniveaus in unterschiedlicher Stärke. Grund hierfür sind steigende Importpreise. Für Menschen mit geringem Einkommen ist der Anteil an importiertem Benzin und Elektronikprodukten größer.
Gefahr von sozialem Abstieg
Die „Soziale Dividende“ (Karl Schiller) in Form einer Währungsaufwertung sicherte insbesondere schwächeren Einkommen in Deutschland jahrzehntelang steigenden Wohlstand. Ihr Ausbleiben führt zum sozialen Abstieg im internationalen Vergleich.
Rente in Gefahr
Die Niedrigzinspolitik schmälert die Erträge von Versicherungen und Rentenfonds. Es ist wahrscheinlich, dass viele ihren Rentenverpflichtungen in Zukunft nicht mehr nachkommen werden können.
Kapitalentwertung
Viele konservative Kapitalanlagen wie Sparbücher oder Tagesgeldkonten erwirtschaften aufgrund der Niedrigzinsen negative Renditen. Das führt zu Vermögensverlusten insbesondere bei geringeren Einkommen. Höhere Einkommen sind häufig über Aktienmärkte und Immobilien besser diversifiziert.
Gefahr einer Staatspleite
Die Bundesregierung hat im Zuge der Griechenlandpakete erhebliche Haftungsrisiken auf sich genommen. In der Theorie sind die meisten Gelder in Form von Krediten geflossen. In der Praxis dürfte es sich allerdings um Transfers handeln, die aus politischen Gründen nicht als solche ausgewiesen werden.
Risiko von Steuer- und Abgabenerhöhungen
Die Bundesregierung hat im Zuge der Griechenlandpakete erhebliche Haftungsrisiken auf sich genommen. Sollten diese Risiken eintreten, wird es zu erhöhten Kosten für deutsche Steuerzahler kommen.
Gefährdete Preisstabilität
Die Niedrigzinspolitik birgt erhebliche Inflationsgefahren, da die Geldmenge viel schneller steigt als die reale wirtschaftliche Produktion. Ein Anstieg der Konsumgüterpreise kann erhebliche negative Auswirkungen auf dem Lebenswandel der Bevölkerung haben.
Was machen die Parteien für Petra und Peter?
CDU(Christlich Demokratische Union Deutschlands)
EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
CDU/CSU (EVP Fraktion)
CDU-Politiker sagen, dass einzelne Mitgliedsstaaten sich auf andere solidarische Mitgliedsstaaten, wie zum Beispiel Deutschland, verlassen können. Solidarität scheint Peter und Petra fehl am Platz, da sie wissen, dass Arbeitnehmer in anderen Ländern früher in Rente gehen.
SPD(Sozialdemokratische Partei Deutschlands)
EVP-Fraktion im Europäischen Parlament
SPD (S&D Fraktion)
SPD-Stimmen äußern, dass stärkere Mitgliedsstaaten in der Eurozone Investitionen für schwächere Mitgliedsstaaten bereitstellen sollen, um Wachstumsimpulse zu generieren. Peter und Petra können nicht verstehen, warum das Straßennetz in NRW seit Jahren an Unterinvestitionen leidet, sie aber in ihrem letzten Urlaub auf leeren neuen Straßen die portugiesische Insel Madeira erkundet haben.
FDP(Freie Demokratische Partei)
alde-Fraktion im Europäischen Parlament
FDP (alde-Fraktion)
Die FDP wollte 2014 den Euro beibehalten und weiteren Hilfspaketen zustimmen, da der Euro Europas „Stabilitätsanker“ sei. Von jüngsten Äußerungen der Parteispitze fühlen sich Peter und Petra verunsichert. Sie glauben, dass der Wandel der FDP aus taktischen Gründen und nicht aus ernsthaftem Engagement für ihre Interessen erfolgt ist.
Die Grünen(Bündnis 90/Die Grünen)
Grüne/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament
Die Grünen (Grüne/EFA-Fraktion)
Das Parteiprogramm der Grünen zielt auf Investitionen für schwächere Mitgliedsstaaten in der Eurozone ab, um diese durch „Investitionsoffensiven“ von Korruption und Schulden zu befreien. Peter und Petra ist die letzte grüne „Investitionsoffensive“ noch in guter Erinnerung: Sie hat zu einer massiv ansteigenden Stromrechnung geführt.
Die Linke.
GUE-NGL-Fraktion im Europäischen Parlament
Die Linke. (GUE-NGL)
Die Linke möchte das Rentenniveau wieder auf 53 Prozent ab 65 anheben und eine solidarische Mindestrente von 1.050 Euro.
LKR(Liberal-Konservative Reformer)
Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR)
LKR (ECR-Fraktion)
Die LKR ist gegen eine zentral gesteuerte Verteilung von Geldern, die einer Transferunion gleicht. Darüber hinaus lehnt die LKR die Niedrigzinspolitik der EZB ab, da sie die Betriebsrenten, Pensionen und Vermögen der Deutschen stark negativ beeinflusst.

